Heinz Strunk geht sehr speziell mit Worten um, er kann wie kaum ein anderer Situationen beschreiben und sein Gedanken-Wirrwarr so schön ausdrücken. “Die Zunge Europas” strotzt nur so vor Strunkschen Ergüssen, aber was dem Buch fehlt, ist eine wirkliche Handlung, ein roter Faden, eine Botschaft. Das Buch ist lustig und doch irgendwie traurig, am Ende weiß man nicht wirklich, was man mitnehmen soll. Während bei “Fleisch ist mein Gemüse” und “Fleckenteufel” Humor und Handlung großartig in Einklang sind, scheint Strunk bei “Die Zunge Europas” mehr seine restlichen Stichwörter mit eigenen Erfahrungen beim Erfinden lustiger Geschichten verstrickt zu haben. Das ist manchmal irrsinnig komisch, aber insgesamt dann doch unbefriedigend.

Markus Erdmann ist Gagschreiber, immer muss ihm was Lustiges einfallen. Doch seine verkorkste Beziehung, das Essen im Café und bei den Großeltern, ja alles um ihn herum, bringt zwar Ideen, aber nicht den wirklichen Durchbruch. Vieles, was zuerst zum Lachen erscheint, ist doch eher zum Weinen, oder andersherum. Markus merkt, dass er in einer Sackgasse steckt, aber wie kommt er da wieder raus?

Wie gesagt, Heinz Strunk schreibt sehr speziell, entweder man mag seinen Stil oder nicht. Grundsätzlich finde ich Strunk großartig, aber dieses Buch hat mich nicht wirklich vom Hocker hauen können. Vielleicht hatte es für Strunk einfach zu ernste Untertöne, aber generell war mir einfach nicht klar, was das Buch von mir wollte. Strunk kann mit Worten umgehen, mit Humor auch, aber vielleicht wollte er mit diesem Buch nur zeigen, wie schwer es manchmal ist, auf Befehl witzige Sachen zu produzieren. Naja, empfehlen würde ich trotzdem eher seine beiden anderen Bücher, aber auch, wenn ich von “Die Zunge Europas” nicht so begeistert war, werde ich mir natürlich kommende Romane von Strunk weiterhin zulegen.

Verwandte Artikel