Wenn man in Lübeck geboren wurde und auch nie aus der Gegend weggezogen ist, dann nimmt man sich immer mal vor, die “Buddenbrooks” von Thomas Mann zu lesen, auch wenn einem jeder sagt, das würde harter Stoff werden. Als ich nun als Komparse bei der neuen Verfilmung des Romans mitgewirkt habe, schien für mich kein Weg mehr an dem Buch vorbei zu führen und so habe ich es dann wirklich gelesen und sogar bis zum Ende durchgehalten. Und es ist wirklich klasse, aber auch wirklich sehr lang und streckenweise sehr anstrengend. Aber ich denke trotzdem, dass auf jeden Fall jeder Lübecker dieses Buch einmal gelesen und sich auf eine Reise in die Vergangenheit der Hansestadt begeben haben sollte.

Der alte Konsul ist ein Gigant in der Handelswelt von Lübeck, er träumt davon, dass auch seine Erben das Familienunternehmen weiterführen werden. Sein Sprössling Thomas scheint diese Aufgabe auch als seine Lebensaufgabe zu sehen und übernimmt das Geschäft nach dem Tod des Konsuls. Doch das ausschweifende Leben seines Bruders Christian und die Eheprobleme seiner Schwester Tony sind nicht die einzigen Sorgen, die die Zukunft der Familie Buddenbrook und ihres Geschäfts in einem nicht gerade rosigen Licht da stehen lassen…

Thomas Mann beschreibt sehr genau, mitunter zu genau, aber man bekommt einen detaillierten Einblick in die verschiedenen Gesellschaftsschichten, die Lebensweise und das Aussehen der Hansestadt im 19. Jahrhundert. Über vier Generationen der Buddenbrooks tauchen auf und der Roman lässt einen den Aufstieg und späteren Fall der Familie sehr interessant miterleben. Trotzdem kann ich verstehen, dass der Roman viele abschreckt und warum viele nicht bis zum Ende durchhalten. Es passiert einfach zu viel und der Roman folgt keiner typischen Erzählweise, es ist eben mehr die Biografie einer Familie über mehrere Generationen hinweg. Ich persönlich habe mich durch den letzten Teil, der sich um Thomas’ Sprössling Hanno dreht, auch durchquälen müssen, die Geschichte war davor für mich eigentlich vorbei, aber Thomas Mann wollte eben noch etwas weiter.

Warum dieser Roman allerdings so als das große Kernstück deutscher Literatur gesehen wird, ist mir nicht klar geworden. Das Buch ist sicher toll geschrieben und in seiner Art auch recht einzigartig, aber ich könnte nicht sagen, dass es sich hier um eins der besten Bücher handeln würde, die ich jemals gelesen habe und ob ich es irgendwann noch einmal lesen werde, ist mir bis jetzt noch nicht klar.

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