Ein ehemaliger Kollege hat mir dieses Buch vom spanischen Autor Albert Sanchez Pinol in die Hand gedrückt und mir fällt es immer noch schwer, es in eine Rubrik einzuordnen. Denn eigentlich ist es eine Horrorgeschichte und doch sind die Wesen, mit denen der Protagonist zu kämpfen hat, nur Beiwerk zu einer sehr interessanten Studie über die Menschen und ihr Verhalten. Obwohl der Autor oft intelligenter schreiben will, als er es wirklich tut, macht die Geschichte Spaß und zieht einen in ihren Bann, auch wenn der Autor meiner Ansicht nach zu viel im Unklaren lässt.

Der neue Wetterbeobachter soll auf einer entlegenen Insel im Südatlantik seinen Vorgänger ablösen und abseits jeder Zivilisation ein Jahr dort verbringen. Doch sein Vorgänger ist nicht zu finden, nur ein verrückter Mann im nahe gelegenen Leuchtturm. In der ersten Nacht wird er von einer Horder blauer Froschwesen angegriffen, er überlebt den Angriff nur knapp. Danach verbündet er sich mit dem Bewohner des Leuchtturms und verteidigt mit ihm den Turm jede Nacht gegen die immer stärker werdenden Angriffe der Monster. Doch dann beginnt er Zuneigung für das Froschmädchen zu empfinden, dass mit seinem Kollegen im Leuchtturm wohnt und keinerlei Gefühle zu haben scheint.

Ohne lange Vorbereitung wirft einen der Autor in das Horrorszenario. Alleine auf einer Insel am Ende der Welt, jede Nacht geprägt durch den Kampf ums Überleben gegen eine Übermacht seltsamer Wesen. Doch die Verteidigung des Leuchtturms ist eigentlich nur Beiwerk, viel interessanter sind die Entwicklungen des Protagonisten und seines Mitkämpfers. Auch das mysteriöse Froschmädchen trägt ihren Teil zu der interessanten Geschichte bei, da sie weder versucht zu fliehen und doch wie eine Sklavin gehalten wird. Sie zeigt keine wirklichen Regungen und ist doch eine absolut gegensätzliche Version ihrer angreifenden Artgenossen vor dem Turm.

Albert Sanchez Pinol lässt einen gekonnt im Unklaren, wohin er mit seiner Geschichte will, denn wirklich beantworten tut er die entstehenden Fragen nicht. Doch gerade, wenn man das letzte Kapitel liest, merkt man, welche Wandlung mit dem Protagonisten vor sich gegangen ist und wie sich der Kreis plötzlich schließt. Dabei schafft es der Autor gekonnt, die Spannung zu halten und trotzdem viel Raum für die Gedankengänge der Hauptperson zu lassen. Die angreifenden Froschmenschen werden zudem nicht auf hirnlose Monster reduziert, im Laufe des Romans wird immer mehr deutlich, dass der erste Instinkt vielleicht ein völlig falscher war und die Situation vermutlich gar nicht mehr zu retten ist. Gerade das Froschmädchen und die jungen Froschmenschen sorgen dafür, dass man immer wieder über die Intelligenz und den Antrieb der seltsamen Spezies nachdenkt.

“Im Rausch der Stille” ist ein sehr unterhaltsames und auch nicht gerade dickes Buch, dass ich jedem als Lektüre für zwischendurch nur empfehlen kann.

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